Ihnen ist sicherlich nicht entgangen, dass wir in einer Zeit leben, in der jeder Volltrottel alles in Bildnissen kundtut, was ihm an infantilsten Alltagsdingen widerfährt. Erinnern wir uns nur, während uns ein kalter Schauer über den Rücken läuft, an Exemplare des Schreckens, wie:
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Ich war beim Frisöhör! – gemeint ist hier „bewundert gefälligst meine neue Frisur, für die ich offenkundig viel zu viel bezahlt habe“, eigene assoziative Gedankengänge hören sich aber eher nach „seit wann ist denn ein betrunkener Pumuckl-Schnitt modern – oder war ein betrunkener Pumuckl der Schneidende?“,
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Sandstrand am Meer – gemeint ist hier „haha ihr Idioten, ich bin im Urlaub, während ihr zu Hause verrottet, und ich kann es mir auch noch leisten!“, geistig Minderbemittelte schreiben darunter aber „toll“, „wäre ich auch gern“ und „wo genau im Ruhrgebiet bist du denn gerade?“,
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Salat mit Putenbrust und Honig-Senf-Dressing – der Autor meint hier so etwas wie „ich habe gerade massenhaft Geld für ein Stück zerhackter Wiese bezahlt, ich bin ja so fit und vital“, Sie aber müssen zwangsläufig feststellen, dass der Salat im Döner doch den gleichen Zweck erfüllt, und der Fotograf zu 100% nur Salat bestellt hat, um eben dieses Bild präsentieren zu können – maximal eine Stunde später isst er den Döner ja dann doch, denn von ein wenig Grünzeug wird doch keiner satt1,
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Ein Pärchenbild – das Pärchen möchte damit seine Liebe ausdrücken und sie der ganzen Welt zeigen; Welt bezieht sich hier auf die 700 imaginären Facebook-Freunde, von denen es ungefähr 200 schon gar nicht mehr aktiv nutzen, und gleichzeitig sollen alle traurigen Singles vor Neid erblassen – die Denunziation von „Freunden“ ist gesellschaftlich natürlich sehr sinnvoll und nur in dieser Form online möglich, denn wenn dieses Pärchen sich in Realität vor Single-Freunden derart abschlabbern würde, dann könnte der Richter direkt im Anschluss von Schuldunfähigkeit in Folge von nachvollziehbarer Raserei sprechen.
Meine Tochter soll es einmal besser haben – und verstehen, dass ein Bild in erster Linie eine Erinnerung an einen schönen Moment ist, und das reicht auch schon.
Ein Selfie machen
Ein Touchscreen wird für eben dieses von dir genutzt: zum Datschen. Deine Eltern gewähren dir aber nur Zugriff auf das Smartphone, um im Zuge der Videotelefonie mit Verwandten zu sprechen. Abseits hiervon darfst du mittels der Frontkamera lustige Bilder machen – und das höchstselbst.
Hierfür machst du ein vermeintlich besonders zauberhaftes Gesicht, was dann auf dem Resultat eher so aussieht, als ob Quasimodo ein Kind mit einem Rauhaardackel gezeugt hat.
Andere Charaktere, die zufällig mit im Bild sind – oder bewusst mit auf selbiges wollen – sehen hingegen ganz anders aus: eher wie der uneheliche Bastard eines Zyklopen und eines Uhus.
Zum Auslösen tippst du auf den Bildschirm. Ein akustisches Signal bestätigt die Anfertigung des Schnappschusses. Dieses optische Andenken wirst du immer in Ehren halten – denn auch in traurigen Momenten wirst du über dieses Foto lachen müssen.
Eine erste hochtechnische Interaktion spendiert dir 45 Punkte an Intelligenz.
1 Sehen Sie sich nur Giraffen an – fressen stets nur die feinsten Blätter von ganz oben, sind spindeldürr, und dass nur, weil Schweine nicht fliegen können. Das Tierreich kann schon grausam sein.
(Bild von Delapouite von http://game-icons.net)