Schockierend!
Wenn das eigene Kind feststellt, dass andere Menschen Mama und Papa gar nicht mit „Mama“ und „Papa“ anreden. Und ebenso schrecklich ist es, zu realisieren, dass andere Kinder auch vermeintlich jeweils „Mama“ und „Papa“ haben. Streng genommen wäre das aber theoretisch ausgeschlossen. Bei Männern mag das noch gehen – aber bei Frauen? Es müsste sich dann ja um echt beachtliche Dreißiglings-Geburten handeln.
Kinder begreifen nicht so schnell, dass Mama und Papa schon einen Namen trugen, bevor ihnen diese familiäre Auszeichnung zuteilgeworden ist.
Daraus ergibt sich selbstverständlich die nächste Frage: nutzen Mama und Papa einen ausreichend überzeugenden Namen für externe Kontakte? Denn schnell können sich in Gedanken folgende Schreckensszenarien der Kosenamen abspielen:
- „Bärli“ schallt es durch die Halle, als Papa im Supermarkt Gemüse statt Fleisch kaufen soll,
- „Mäuschen“ haucht Papa, als im Restaurant gemeiner Essensdiebstahl vom Nachbarsteller verbal angezeigt wird,
- „Schatz“ wird im überfüllten Einkaufszentrum gerufen, und wirklich alle anderen, ebenso einfallslosen, Erwachsenen drehen sich um,
- „Mein Hengst“ erklingt nur kurz, bevor jemand feststellt, dass statt zu denken sogar gesprochen wurde, und
- „Fettsack“ wird genutzt, um den überquellenden Einkaufswagen an der Kasse mengenmäßig einzuordnen. Hat ja auch nur einer von zweien beladen…
All diese Entgleisungen, abgefeuert in der Öffentlichkeit mit viel zu vielen Zeugen, beweisen eines: es kann Eltern auf gar keinen Fall selbst überlassen werden, ihre „Bezeichnungen“ selbst zu wählen. Das müssen Kinder übernehmen, um sich derlei Demütigungen für die eigene Familie zu ersparen.
Die „liebevollen“ Titulierungen deines Papas, die in der Öffentlichkeit zu hören sind, erfüllen dich mit Scham. Niemand möchte wissen, dass Papa schon zum Club der alten Säcke gehört. Wieso könnten das andere Menschen schlussfolgern? Nun, weil Mama gerne mal „du alter Sack“ ruft.
Sicher, sie tut dies, um lustig zu sein. Das wissen aber die Anderen nicht.
Deshalb lässt du dir erstmal von der betroffenen Person den Ausweis zeigen. Du musst ja auch wissen, mit wem du es zu tun hast, wie groß Papa ist, welche Augenfarbe er hat und welche entartete Unterschrift er in die letzte Zeile geknallt hat, weil das Feld dafür viel zu schmal für all die Schnörkeleien war.
Dort entdeckst du einen Namen. Du entscheidest, dass Papa deshalb fortan diesen Namen tragen solle.
Dieser bedankt sich artig ob dieser Neuentdeckung und fängt schon mal an zu üben, weil ab jetzt eine Silbe fehlt und du bei der Zuweisung einige Konsonanten noch nicht korrekt aussprechen konntest.
Die Ausweiskontrolle bei Mama dauert etwas länger, weil du beim Suchen danach die Führerscheine beider Elternteile entdeckt hast.
Erst, als dein Lachanfall, verursacht durch Teenager-Bilder, die in Horrorfilmen Verwendung finden könnten und auch sollten, wieder abklingt, erlangst du deine Fassung zurück.
Bei Mama musst du gar nichts Großartiges ändern. Du setzt einfach „Beste“ davor.