Manchmal haben kinderliche Ansagen auch einen leichten Hauch der Rettung an sich. Später dann eher nicht mehr (ich kann das meinem Ich aus der Vergangenheit inzwischen so sagen), aber in diesem zarten Alter von drei Jahren schwingt mitunter in einigen Aussagen eine gehörige Portion Weisheit mit.
Und das ist nicht oft – weshalb es bei mir auch hängengeblieben ist und eine Erwähnung verdient.
Vorher muss allerdings noch geklärt, werden, was der große Feind jedes Ausflugs ist. Egal wohin: ob wandern, shoppen oder einfach nur völlig stumpf und sinnlos umherspazieren ohne jedes Ziel – einen Erzfeind haben all diese Varianten gemeinsam.
Die eigene Blase.
Der Ruf der Natur kommt in unterschiedlichen Ausprägungen und Intensitätsstufen daher. Laut der Meinung eklatant wichtiger Wissenschaftler sind dies:
- Sie bemerken, dass Sie eine Blase haben. Ein leichtes, hallendes Zwitschern erklingt aus dem Inneren Ihres Leibes und Sie begreifen: verdammt, ich muss wohl bald aufs Klo, und es passt mir gerade überhaupt nicht.
Und es wird niemals wirklich passen.
Sind Sie wandern, dann wird eine Eiche, die über die Äonen ihrer ruhigen Existenz schon so ziemlich alles gesehen hat, Ihre Weichteile bald dazuzählen können.
Im Einkaufszentrum kostet pinkeln mittlerweile Geld. Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht, aber ich empfinde 50 Cent für einmal strullern als Diebstahl. Deshalb stehen mir, als Notdurft-Zahlungs-Verweigerer zwei Möglichkeiten offen: es verkneifen, oder sich unter vollständiger Abgabe sämtlicher Restwürde durch den Kindereingang zwängen. Verkniffen habe ich es mir kaum, dafür bin ich schon sehr gelenkig geworden.
- Ihr vorderer Schließmuskel beginnt seine erste Schicht. Denn er ist ab jetzt gefragt. Von ihm hängt der kleine Unterschied zwischen innerer Verspanntheit und äußerer Nassheit ab. Außerdem müssen Sie sich eingestehen, dass Sie so langsam aber sicher mit Nachdruck nach einer Toilette suchen müssen.
Der äußere Schließmuskel kennt übrigens keine Schichten. Er ist immer im Dienst. Na gut, fast immer. Wenn man in einen Fahrstuhl steigt, dann macht er ganz kurz Pause, damit auch alle umstehenden Personen in diesem hermetisch und luftdicht abgeschlossenen Mini-Raum etwas davon haben.
Das ist ein natürlicher Reflex. Schließmuskeln hassen Fahrstühle. Sie können selbst gar nichts dafür. Ehrlich.
- Drohendes Systemversagen mit gleichzeitiger Evakuierung aller Flüssigkeits-Tanks. Eine Toilette muss her – und zwar schnell.
- Hier fangen normale und sonst stolze Personen an auszusehen wie Idioten: verkniffenes Gesicht, nach innen gedrehte X-Beine, die Hände werden vor den Schritt gehalten und die Gangart ähnelt stark einer betrunkenen und schwerst misshandelten Stockente, nur ohne den Stock.
Ich habe mich immer gefragt, warum in Gottes Namen man sich die Hände vor den Schritt hält. Was genau soll das denn bringen hinsichtlich der aktuellen Situation? Den Einfall schädlicher Strahlung verhindern, damit die Muskeln nicht nachgeben? Oder den Blick anderer Menschen vom Quell der eigenen Scham abwenden?
Noch nie, und ich bekräftige das ausdrücklich: noch nie habe ich jemanden gesehen, der sich die Hände vor den eigenen Po hält, um einen Pups zu verbergen. Rein logisch wäre das aber die folgerichtige Fortsetzung dieses irren Verhaltens.
Oder beim Rülpsen die Hände vor den Mund. Das schafft keiner. Die Nerven, die diese Körperfunktion auslösen, sind mit höherer Datengeschwindigkeit ausgestattet, als die für das Heben der Hände. Die Natur hatte eben schon immer einen Sinn für Humor.
Aber vielleicht sind auch einfach alle Sinne der Zurechnungsfähigkeit ausgeschaltet angesichts der drohenden, gelben Explosion.
- Auch über die Augen kann Flüssigkeit ausgeschieden werden – ist nur die falsche Quelle.
- Sie müssen nicht mehr aufs Klo. Ob Sie nun eine Toilette gefunden haben – oder nicht. Dafür ist es plötzlich wohlig warm geworden. Ob Sie nun eine Toilette gefunden haben – oder nicht.
Vor diesen wirren, menschlichen Verhaltensweisen möchten uns schon die Kleinen bewahren, und das mit einigem Nachdruck.